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Stationen ~ Gesichter einer Stadt ~ Aktfotografie ~ Portrait ~ digital

2_bancs_II_Prag__.jpg: 500x355, 63k (20.11.2009 16:21 Uhr)
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Jongleur__.jpg: 355x500, 15k (20.11.2009 16:21 Uhr)
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Waschmaschinen-2__.jpg: 355x500, 40k (20.11.2009 16:21 Uhr)

Es gibt Fotografien, nach deren Betrachtung weiß man bescheid. Oder zumindest glaubt man solches. Es gibt auch Fotos, nach deren Betrachtung man nicht weiß, was man oder ob man das, was sie zeigen, glauben kann.
Über Bilder beider Arten ist hier und jetzt glücklicherweise nicht zu reden. Die Fotografien Xtine Petits sind von jener Art, die etwas wie stille Zwiesprache hervorruft: mit dem Bild, seinem Gegenstand, seiner Botschaft schließlich, aber auch im Betrachter selbst.
Nicht jede Bildsprache ist dazu in der Lage. Allzu häufig erleben wir bildhaftes Monologisieren des Fotografen, bis hin zu geradezu suggestiver Indoktrination seiner subjektiven Sicht. Damit haben wir es hier nicht zu tun, und das wirkt ausgesprochen angenehm, weil ich mich nicht indoktriniert fühle, sondern eingeladen, auf einen Blick zu verweilen, die Blicke zu kreuzen, und für diesen Augen-Blick das Gesehene zu teilen. Xtine Petit, geboren in Paris, Absolventin renommierter Kunstschulen, lebt seit fünf Jahren in Berlin. Richtiger wäre wohl zu sagen, daß ihr Wohnort heute Berlin ist, denn ihr Ausstellungskalender, etwas wie eine Lebenslinie der letzten Jahre, weist eine mehr als europaweite Umtriebigkeit aus.
Dennoch sind ihre Bilder nur nebenher Zeugnis geografischer Bewegung. Die verschiedene Herkunft oder Ansiedlung ihrer Motive – ob Menschen oder Dinge, – spielt für ihre Bildauffassung keine Rolle. Man hat mitunter sogar den Eindruck, daß in den Titeln, die geografisch Verweise enthalten, dies mit nahezu provo-katorischer Intention geschieht, weil die Nennung eines Ortes für die Kommunikation, die das Bild hervorruft, keine oder nur eine geringe Bedeutung hat.
Mir scheint, daß jemand, den die Welt umtreibt, der aber, Gesichter einer Stadt - Regard croisés wie man den Bildern ansieht, in sich selbst ein gefestigtes gedankliches, emotionelles, ästhetisches Zuhause hat, der Vielfalt der Bilder eine bestimmte Ordnung geben muß, um seine eigenen Zugänge zur Welt ordnen zu können. Es geht also um eine bestimmte Orientierung des Sehens und des Verstehens des Gesehenen. Letztere benennt sie auch dann, wenn der Ort gar nicht kenntlich wird, höchstens vermittels der Andersartigkeit oder Verschiedenartigkeit von Namen. Die Lokalität besitzt für sie also etwas Vages, darin aber nicht zu verwechseln mit Ungefährem oder Unbestimmten. Was sich auf diese Art bei näherem Hinsehen zuerst vermittelt, ist eine simple Feststellung: die Menschen, die Xtine Petit sieht, sind auf Lokales nicht zu beschränken.


Dr. Gunter Nimmich, Galerie M, Berlin, 2004 (Auszug)